Ach das arme Mikro!

Dem fehlt beinah immer die Zeit.
Deshalb heute ein Video zu einem Buch aus dem ich selbst lesen wollte.
Rilkes „Brief an einen jungen Dichter“ ist für mich ein besonderes Dokument, weil es weit weg geht von Konkurrenzdenken, von Missgunst, von stiller Schadenfreude über die Zweifel eines anderen, sondern ermutigt, klärt und spiegelt.

Genießt es und genießt den Rest-Sonntag 🙂

Lieblingsstelle 5: Jiddu Krishnamurti

Ich habe von Hesse, von Thomas Mann, von Nietzsche sehr viel gelesen.
Aber von manchem Autor muss man nicht viele Bücher lesen und trotzdem hinterlassen sie einen tiefen Eindruck. Mir geht es so mit dem indischen Denker Krishnamurti und seinem Buch „Einbruch in die Freiheit“.
Ich habe es vor vielen Jahren gelesen, in einer Zeit, da ich mich ausführlich mit Yoga und umfangreich mit den östlichen Philosophien beschäftigt habe.
Krishnamurti ist mir kein Lehrer und kein Guru geworden. Im Gegenteil hat er (vielleicht) dafür gesorgt, dass ich unempfänglich blieb für jede Art der Heiligenverehrung.
Es heißt, man habe bei Krishnamurti sehr früh eine hohe spirituelle Kraft fest gestellt und deshalb einen Orden für ihn gegründet. Er konnte damit nichts anfangen und fand seine Schüler sollten ihren Lehrer in sich finden und ihre Abhängigkeit nicht auf ihn projizieren. Deshalb löste er den Orden wieder auf.
„Einbruch in die Freiheit“ ist eine eindrucksvolle Darlegung seiner Sichtweise.

Ich lese einen Abschnitt daraus, der die „richtige“ Form der Meditation betrachtet:

Lieblingsstelle 4: Franz Kafka

Kafka, als Schulpflichtlektüre gehört verboten, das schafft nur Missverständnisse. Das selbe gilt für Kafka als allgemeine Pflichtlektüre oder intellektuellen Leistungssport, mit so peinlichen Blüten, wie dem „Prozess“, als verkappte anale Phase.

Kafka erzählt. Die Bilder die er verwendet berühren einem und man versteht – oder man ist befremdet.
Man kann behaupten Murakami ist Kafka als Longplayer.

Ich habe von Kafka nicht sehr viel gelesen. „Die Verwandlung“, einige kürzere Geschichten wie „Bericht an die Akademien“. Am „Schloss“ bin ich gescheitert, aber ich scheitere auch an der Steuererklärung, die ich ähnlich ausweglos empfinde.

Tief beeindruckt hat mich der „Brief an den Vater“. Er beleuchtet beeindruckend die Untiefen autoritärer Erziehung, ohne die Abgründe von körperlicher Gewalt heranziehen zu müssen.
Die Sensibilität des Kindes im Diskurs mit der verhärteten Sichtweise des Erwachsenen, mag jeden berühren, der diese Sensibilität zu wahren versuchte.

Gelesen habe ich den Beginn. Ein Abschnitt ist übersprungen. Er umfasst die etwa drei ersten Seiten der Fischer Ausgabe 1629, Ausgabe 12/1981

Lieblingsstelle 3: H. Hesse

Genau genommen müsste ich, um eine Lieblingsstelle von Hesse zu lesen, das Gesamtwerk vorlesen.
Hesses Werk, als Mensch und Künstler, bleibt für mich das eindrucksvollste von allen, mit denen ich in Kontakt kommen durfte.
Ich fühle bis heute nicht die Tendenz seine Bücher, als Schwärmer-Literatur meiner Jugend abzutun, wie das mitunter geschieht. Seine Zeilen lese ich anders, seine Gedanken ziehen keine andere Kreise, wie sie es vor zwanzig Jahren taten, aber sie haben nichts an Klugheit, Wärme und Geist verloren.

Ich habe mich für eine Stelle aus einem seiner weniger bekannten Bücher entschieden, welches mich damals sehr berührt hat.
Der Roman „Roßhalde“ glänzt nicht mit einem magischen Titel und die Geschichte von einem Maler in der Ehekrise, geschrieben von einem schwäbischen Dichter würde heute vielleicht nicht mehr verlegt. Aber wer sich auf diesen einfachen Roman einlässt, findet einen tiefgehenden Lebensbericht, der unseren sorglosen Umgang mit Beziehung und mit unseren Kindern schonungslos beleuchtet.
Gelesen habe ich zwei Stellen die sich gut aneinander fügen. Achtung: Traurig!

Lieblingsstelle 2: T. Mann

Die Kurzgeschichtensammlung „Die schwere Stunde und andere Erzählungen“ aus dem Fischer Verlag (TB 9440) war meine erste Kontaktaufnahme mit Thomas Mann, der mir, als Hesse Leser nicht unbekannt bleiben konnte.

Ich habe in den Jahren danach „Die Buddenbrooks“, den „Zauberberg“, „Dr. Faustus“, die Josefsgeschichten, „Betrachtungen eines Unpolitischen“, „Lotto in Weimar“ und „Felix Krull“ folgen lassen.
Der Erzähler Thomas Mann hat mich darin immer beeindruckt, der Mensch bleibt mir bis zu diesem Tag unzugänglich.

Ich finde es schwierig bei Mann einzelne Textstellen hervor zu heben. Das ist anders bei Hesse. Bei Mann ist es der gesamte Text, die erzählerische Dichte die wirkt.

In der schönen Schiller-Studie „Die schwere Stunde“ (ich glaube es soll Schiller sein) finden sich einige Abschnitte die konzentrierter wirken und aus dem Text hervor zu heben sind.
Eine davon folgt heute. Viel Vergnügen: